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Frühstücksmusik Donnerstag

funk you.

Internetphänomen Louis Cole in Mannheim

Von Emma Dübner am veröffentlicht.

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Louis Cole am Keyboard

Die Bühne verfärbt sich in ein dunkles Violett.

Entgegen der verzerrten Ansage wird der Applaus immer lauter. Die Masse drängt zum Wellenbrecher, nimmt jeden freien Zentimeter mit Händen und Füßen ein.

Dann erstirbt das Licht.

Der Tod betritt die Bühne - genauer gesagt eine kleine Gestalt im Kapuzencape und verschleiertem Gesicht, die mit der Sense droht. Direkt gefolgt von einer Band aus dem roten Seitenvorhang.

Wer nicht weiß wer Louis Cole ist, wird ihn vermutlich nicht erkennen. Es sind drei unscheinbar gekleidete Männer mit Instrumenten in der Hand. Bis sich ein schlanker Mann von den anderen beiden aus dem Hintergrund löst. Cole.

"FUCK YOU YOU FUCKIN' FUCK" steht auf seinem Shirt, die Augen unter einer Sonnenbrille verborgen. Er lässt sich auf einem Stuhl nieder, neben ihm Laptop und Keyboard. Cole nickt kurz, dann setzt die Band ein. Es ist Funk. Funk, der so hart ist, dass jeder Beat die Musik zu verdrängen scheint. 

Aber wer ist dieser Louis Cole? Was macht er in Mannheim? Und was hat der Tod da zu suchen?

Spulen wir ganz an den Anfang zurück.

2009 ist Louis Cole ein normaler Jazz-Student in LA. Er mag schräge Shirts. Er mag Mario Kart. Und ab und zu filmt er sich beim Keyboardspielen. Bis ihn sein Kommilitone dazu ermutigt, seine Videos auf YouTube hochzuladen.

“bank account” geht in wenigen Tagen viral. Aus dem unfreiwilligen Projekt werden Musikveröffentlichungen, dann Alben und Konzerte. Dieses Jahr war er auf Tour: 48 Konzerte weltweit, Frankreich, Japan und Mannheim in der Alten Feuerwache. Der Booker Ubbo Gronewold hat ihn dorthin gebracht. Und das war gar nicht so einfach:

Auch ich habe direkt zugeschlagen, als ich die Tickets entdeckt habe.

Und nun stehe ich an einem Sonntagabend bei 27 Grad in Mannheim. Mir gegenüber steht die Alte Feuerwache, ein von Efeu umwundenes Steingemäuer.

20.15 Uhr, 45 Minuten vor Konzertbeginn betrete ich die Wache. Meine Augen brauchen ein wenig, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Nur die Bühne wird in dünne Lichtstrahlen gedimmt und fluoresziert rot vor sich hin. Etwa 20 Leute stehen vorne, aber ziemlich locker, niemand hat Angst um einen Platz. An den Wänden hängen, wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, große Industrierohre, die mit offenen Mündungen in den Saal schauen. Auf der Bühne wartet bereits ein glitzerndes Schlagzeug auf einem Podest und Keyboards in verschiedenen Größen, Lautsprecher und Kabel. 

Um Fünf nach Neun betritt die Support-Band die Bühne: Genevieve Artadi. Sie ist nicht nur eine langjährige Freundin von Louis Cole, sondern er spielt mit ihr auch gemeinsam im Duo “KNOWER”. On Stage präsentiert sie einige Lieder von ihrem neuesten Album "Forever Forever". Funky und flächig verlaufen die Songs ineinander. Es wirkt wie eine abgeflachte Version von dem, was Louis Cole gleich präsentieren wird. Aber das stört das Konzerterlebnis nicht. Sie holt das Publikum damit ab.

Genevieve Artadi

Kurze Umbauphase. Die Spannung steigt. Gleich gibt es Louis Cole in echt, direkt vor uns auf einer Bühne in Mannheim. Die Menschenmasse verengt sich exponentiell zur Bühnennähe.

Bei Louis Cole gab es eine sehr hohe Nachfrage. [...] Es kommen teilweise Leute aus Köln, aus der Schweiz und aus Frankreich.– Ubbo Gronewold

Über unseren Köpfen ertönt eine verzerrte Durchsage. Der Tod, dann Louis Cole betreten die Bühne. Zwei düstere Gestalten, die sich nur im extremen Größenunterschied voneinander absetzen.

Cole lässt sich auf dem Stuhl nieder - und legt direkt los mit seinem neuesten Album "Quality Over Opinion" von 2022. “F It Up” ist der Opener - ein funky Track, der auf starke Schlagzeug-Beats und Staccato Passagen setzt. Und Cole liefert. Er wirbelt die Stöcke so schnell über die HiHats, dass man sie nicht mehr als Objekte erkennen kann, boxt das Pedal in die Bass Drum und singt dazu. Die Musik schlägt in den Raum ein. 

Der Song geht nahtlos in den nächsten über. “Message” ist ein balladiger Track aus breiten Klangflächen. Dazu nutzt Cole sein bekanntes Falsetto. Fast wirkt es so, als würde er die Stimme immer kurz vor Ende flüsternd zurückziehen. Die Vortragsart nimmt aber nichts von der Energie. Mit seiner Stimme schwingt sich Cole über Tonsprünge, Leitern und schwebt mit der Musik mit. Dahinter improvisiert das Keyboard schnelle Läufe - eine Andeutung von Jazz.
Der Wechsel zwischen extrem groovigen und getragenen Stücken zieht sich durch das gesamte Konzert durch. Dabei beweist Cole Geschick für gute Musikdramaturgie, kombiniert Alben, Tempi, setzt auf starke musikalische Kontraste. 

Ähnlich wie in der Konzeption seiner Alben, baut er dabei keinen Erzählstrang, sondern zeigt, was er musikalisch drauf hat. Mal am Schlagzeug, mal am Laptop, am Bass, E-Gitarre, und natürlich Mikro - fast jedes Lied wechselt er das Instrument.

Ab und zu springt auch der Tod über die Bühne, singt oder spielt Schlagzeug. In kurzer Zeit passiert so viel, dass ich mehr den Rausch genieße, als konkret wahrzunehmen was passiert. Ich springe mit dem Publikum, lasse meine Arme durch die Luft fliegen oder wippe mit dem Kopf.

In der zweiten Konzerthälfte stellt sich heraus: unter dem Gewand vom Tod steckt Support-Sängerin Genevieve. Das Finale bildet eine kleine Auswahl an Songs, die Cole und Artadi gemeinsam performen. Das Publikum singt begeistert mit.

Auch vier Songs und drei Zugaben später, bleibt das Energielevel konstant hoch. Vermutlich liegt das Geheimnis von Coles Auftritt in der Tatsache, dass ihm egal ist, was andere von ihm denken.

Er macht Funk und hat Spaß daran. Das steckt an. 

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